Reisefuehrer sind meist von Leuten geschrieben worden, die viel gereist sind, jede Menge landesspezifische Erfahrungen gesammelt haben und es in der Regel besser wissen als man selbst. Dennoch haben wir die Empfehlung, jegliche Art “normaler� indischer Busse zu meiden, sehenden Auges ignoriert. Die Strafe zahlten wir in 10 Stunden naechtlicher Ueberlandfahrt. Ich moechte euch jetzt nicht mit der Beschreibung der einzelnen Schlagloecher und der damit verbundenen eigenen Absprunghoehe langweilen, doch sowohl Anzahl als auch Sprunghoehe nahmen bisher ungeahnte Groessenordnungen an und immer wenn man glaubte, man haette sich daran gewoehnt, sei schon voellig einge-indischt, koennte evt. Sogar kurz schlafen, kam es schlimmer. IMMER. Wer haette auch gedacht, dass die direkte Verbindung zweier grosser Staedte ueber Landstrasse fuehrt (ungeteert und von der Qualitaet einer interessanten Mountainbikestrecke). Abgesehen davon war es schon ein Glueck ueberhaupt den richtigen Bus zu erwischen, das zumindest hatte ich in keinster erwartet, naiverweise zugegeben. Obwohl der Busbahnhof noch relative klein war (ca. 20 Stationen) und wir sogar ungefaehr wussten WO – wahrscheinlich (!) unser Bus fahren sollte und auch eine ungefahere Zeitangabe hatten (variierte je nach Auskunftsgeber zwischen 19.30 und 22.00 Uhr), gerieten wir doch in leichte Panik als wir folgende Feststellungen machten:
1. Die Staedtenamen waren zwar sehr wohl an den Bussen angeschrieben, jedoch in wundrschoen verschnoerkelten Hindibuchstaben.
2. Im Fahrplan ist keine Zeit zum EInsteigen, Aussteigen oder Umsteigen eingeplant.Mit Tempo faehrt ein klapperndes Ungetuem ein, hupt laut und gibt damit das Startsignal fuer eine Menschenmasse mit Saecken, Koffern und verschnuerten Paketen beladen, die auf den Bus und in den Bus stuermt waehrend eine andere, meist wesentlich kleiner Menge versucht sich aus dem Gefaehrt hinaus zu bewegen.
Irgendwie ging trotzdem alles gut, sogar die raren und aeusserst kurzen Pinkelpausen. Da wir ungluecklicherweise auf den letzten PLaetzen sassen (ungluecklicherweise in jeder Hinsicht, denn hier ist die maximale Sprunghoehe garantiert), konnten wir uns immer erst dann aus dem Bus quetschen wenn die ersten schon erleichtert zurueck kamen, man rechne noch ein paar Minuten dazu das locale Oertchen auszumachen (Maedels, glaubt mir, kein Vergnuegen) und so geschah es nicht selten, dass ich gerade dort angekommen schon das Hupsignal zur Abfahrt hoerte und der Albtraum allein, ohne Gepaeck auf einem naechtlichen indischen Busbahnhof im Nirgendwo zurueck gelassen zu warden, lehrte mich schnell die blitzschnelle Abwicklung jeglicher Vorhaben.
Doch aus jedem Albtraum erfolgt ein Erwachen 
 .und fuer solch ein Erwachen ist das morgendliche Hampi der geeignete Ort. Wir sassen im morgendlichen Licht am Flussufer, unzaehlige Stufen fuehrten hinunter, grosse bizarre Steinbloecke liegen im flachen Wasser, uebersaehen die umliegenden Huegel, hinter uns ragen Palmen und Daecher uralter Tempel in den Himmel, wir warten auf das Boot, dass uns andere Ufer uebersetzen soll, halten einen winzigen Becher gluehend heissen Chai in der Hand, beobachten die Kinder,ganze Schulklassen, stuermen ans Ufer, springen ins Wasser, obwohl es ein kalter Morgen ist, waschen sich, der Lehrer waescht sein Hemd, eine Elefantendame wird vorsichtig die Stufen hinnter gefuehrt, auch sie nimmt ein Bad es ist wie ein Film, ein schooner Film, zumindest, wenn man es schafft die anderen Traveller links und rechts auszublenden. Zu Ende ist die Zeit unter Indern, ab jetzt bewege ich mich inder Traube der Traveller und der Gedanke gefaellt mir noch nicht so recht. Vielleicht brauche ich noch eine Weile mich einzufuegen, mich daran zu gewoehnen an dieses bunte Pack weltgewandter Leute, die in farbenfrohen, leicht abgerissenen Klamotten (auf einmal wieder freizuegig, aermellose Oberteile, weite Auschnitte, nackte Beine – bisher verbotene Ausblicke), cooles, laessiges Gehabe und die uebliche Gespraeche wo man schon war, wie lange man unterwegs ist, und wie “amazing� einfach alles ist. Unsere Unterkunft erinnert mich ebenso wie das Publikum an andere Teile dieser Erde, so individuell die Leute, die Guest Haeuser, die Speisekarten zu sein versuchen, so aehnlich ist doch alles. Dennoch es ist wunderschoen, zweifelslos. KLeine Lehmhuetten mit Strohdaechern, ein offense, mit Matratzen ausgelegtes Gemeinschaftshaus und in greifbarer Naehe all diese interessanten Steinbloecke. Wegen ihnen ist auch ein Grossteil des Publikums kletterbegeistert, Bouldermatte steht neben Bouldermatte und es ist natuerlich kein Zufall, dass wir hier gelandet sind. Bereits in den ersten Morgenstunden wird losgezogen, Michael mittendrin, “Probleme� loesen wie es so schoen heisst im Fachjargon und aus der Ferne doch nur so ausschaut, als ob man verzweiflet versucht die gelekigen Aeffchen hier nachzuahmen. Nicht zu Unrecht wurde der Ort vor etlichen Jahrhunderten dem Affengott geweiht, nun scheint eine neue Form seiner Verehrung ausgebrochen zu sein. Doch allem Schmunzeln zum Trotz, spaetesten morgen werde wohl auch ich mich in die Reihe dieser besonderen Art von Pilgern einreihen.